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Die korsische Sprache

KorsikaDas Korsische erlebte Ende der 60er Jahre eine wahre Renaissance. Auch unter den aufkeimenden Autonomiebewegungen in den Siebzigern wurde die Regionalsprache immer wichtiger. A lingua nostra - unsere Sprache! 1974 wurde Korsisch als Regionalsprache anerkannt und darf seither an den Schulen als Freifach unterrichtet werden. 1981 wurde die Universität von Corte wiedereröffnet und mit ihr ein Institut zur Erforschung und Pflege der Regionalsprache. Bis dato gab es keine einheitliche Grammatik und auch keine verbindliche Rechtschreibung, denn die Sprache wurde nur mündlich überliefert. Das Institut nahm sich dieser Aufgabe an, zeichnete Inselweit die verschiedenen Dialekte auf und erstellte eine einheitliche Grammatik und ein ausführliches Wörterverzeichnis.

 

 

Das Korsische ist eng verwandt mit dem italienischen Dialekt der Genueser, haben diese Korsika doch während fünf Jahrhunderten beherrscht, was sich auch auf die Sprache ausgewirkt hat. So habe ich schon miterlebt, wie Korsen in Centuri mit Genuesern gesprochen haben und keinerlei Verständigungsprobleme hatten. Über den Ursprung des Korsischen streitet man sich noch immer. Sicherlich spielen etruskische Einflüsse mit, später kamen die Römer hinzu, die versuchten, die Insel zu lateinisieren. Nach dem Untergang des römischen Reiches versank die Insel während Jahrhunderten im Chaos zahlreicher Invasionen, was zur Folge hatte, dass sich die Bevölkerung in die Bergtäler zurückzog. Dort entwickelte sich die Sprache fernab irgendwelcher Einflüsse von aussen. Ab dem 11. Jahrhundert beherrschten die Pisaner Korsika, was zur Folge hatte, dass zahlreiche toskanische Ausdrücke aufgenommen wurden. Während des halben Jahrtausends der genuesischen Herrschaft beeinflusste das Genuesische vorallem in Nordkorsika die Inselsprache. In Südkorsika stellt man grosse Ähnlichkeiten mit dem Sardischen fest.

Als im Jahre 1769 die Franzosen Korsika eroberten, wurde das Franösische zur Amtssprache und das Korsische strikt verboten. Auch das Französische beeinflusste das Korsische, wurden doch oft französische Wörter korsifiziert. Auch heute werden immer wieder neue korsische Wörter "erfunden", vorallem im sich schnell entwickelnden technischen Bereich ist dies auch immer wieder notwendig.

 

Hier ein Vergleich der zeigt, dass einige korsische Wörter dem Italienischen, andere dem Französischen näher sind und nochmals andere weder mit der einen noch der anderen Sprache etwas zu tun haben:

  Französisch Korsisch Italienisch
Fluss rivière fiume fiume
Bahnhof gare gara stazione
Auto voiture vittura macchina
Käse fromage càsgiu fromaggio
Strand plage marina spiaggia
blau bleu turchinu azzurro / blu

 

Die Ortschaften wurden auf den Verkehrsschildern lange Zeit nur französisch angegeben. Dies führte in der Zeit der aufkeimenden Autonomiebestrebungen dazu, dass die Schilder von den Korsen oft überpinselt oder gar abgeschraubt wurden. Irgendwann hatte man diesen Vandalismus satt und begann, die Ortschilder zweisprachig anzuschreiben. Viele Korsen hätten es wahrscheinlich lieber gesehen, würde erst die korsische und dann die französische Schreibweise aufgeführt werden. Bei einigen Ortschaften unterscheiden sich die beiden Schreibweisen nur minim. Es steht dann lediglich ein u statt ein o. Ein paar Beispiele gefällig?

Ajaccio / Ajacciu

Bonifacio / Bonifaciu

Porto / Portu

 

Andere Ortsnamen unterscheiden sich deutlicher:

Saint-Forent / San Fiurenzu

Propriano / Prupria

Sartène / Sartè

Bavella / Bavedda

Lévie / Livia

 

Als Tourist muss man sich aber nicht die Mühe machen, vor dem Urlaub ein paar Brocken Korsisch zu büffeln. Viel eher sollte man etwas der französischen Sprache mächtig sein. Sollte man aber tatsächlich einmal auf Korsisch angesprochen werden, reicht es, wenn man ein Sätzchen auswendig kann: "Capischu nunda", was soviel heisst wie "ich verstehe nicht". Allein diese Parole ruft beim Gegenüber helle Begeisterungsstürme aus, denn es rechnet kein Korse damit, dass ein Tourist auch nur einen Brocken seiner Sprache beherrscht.

 

 

Korsische Dialekte

Grundsätzlich unterscheidet man auf Korsika zwei Dialekte. Der eine wird im Norden Korsikas und im Zentrum gesprochen, der andere im Süden der Insel. So heisst der Hund im Norden "u cane", im Süden hingegen "u ghjàcharu". Auch die Aussprache unterscheidet sich in manchen Bereichen. So wird aus dem Doppelkonsonanten ll im Süden ein dd (Bavella > Bavedda oder cavallu > cavaddu).

 

Einige korsische Ausdrücke:

Guten Tag! Bonghjorunu! männlicher Artikel u (sing.) / i (pl.)
Guten Abend! Bonasera! weiblicher Artikel a (sing.) / e (pl.)
Wie geht es? Cume simu? blau turchinu
Es geht gut. Va bè! rot rossu
Bis gleich! A dopu! / A prestu! grün verde
Bis morgen! A dumane! gelb giallu
Auf Wiedersehen! Avvèdeci! schwarz neru
Ich heisse... Mi chjamu ... weiss biancu
und sie è voi Mohrenkopf testa mora
eins unu Hopp Bastia! Forza Bastia!
zwei dui Prost! Salute! / Saluta!
drei trè Guten Appetit! Bon pro!
vier quattru    
fünf cinque    
sechs séi    
sieben sette    
acht ottu    
neun nove    
zehn déce    
danke grazie    
Ich danke ihnen! Vi ringrazianu!    
bitte fate u piace    
Entschuldigung! Scusate!    
ja ïe / si    
nein no / inno    

 

 

Wer Lust hat, vor dem Urlaub dennoch ein paar Brocken Korsisch zu lernen, der bestellt das Buch Kauderwelsch Band 165 vom Reise Know-How-Verlag. Die im Buch versprochene Audio-CD ist allerdings immer noch nicht erschienen...

 

Literaturtipp Korsisch:

 

Wer nach Korsika fährt, sollte unbedingt etwas Französisch beherrschen. Zumindest sollte man in der Lage sein, sich auf französisch zu bedanken und im Restaurant eine Bestellung aufzugeben. Auf gar keinen Fall vergessen darf man den Ausdruck 's'il vous plaît'!

 

Französisch für den Urlaub:

 

 

 

 

 

 

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